Sind Antibell-Halsbänder erlaubt?

Erziehungshalsbänder: Was ist erlaubt?

Kynologen und andere Experten finden sich seit jeher in einer Diskussion wieder, in der die Nutzung von Erziehungshalsbändern auf dem Prüfstand steht.
Besonders im Fokus sind dabei Antibell-Halsbänder, die anhand von Stromschlägen oder unnatürlichen Reizstoffen Fehlverhalten bestrafen.

Auch rechtlich sprechen die Gesetze eine klare Sprache: In der Schweiz, Deutschland und Österreich ist der Einsatz eines Antibell-Halsbandes auf der Basis von Strom nicht erlaubt. Festgesetzt wurde dies in § 3 Nr.11 des Tierschutzgesetzes (TierSchG).

Fakten zur Rechtslage

Per Gesetz heißt es (Zitat §3 Nr.11 TierSchG):

„Es ist verboten, […] ein Gerät zu verwenden, das durch direkte Stromeinwirkung das artgemäße Verhalten eines Tieres, insbesondere seine Bewegung, erheblich einschränkt oder es zur Bewegung zwingt und dem Tier dadurch nicht unerhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügt, soweit dies nicht nach bundes- oder landesrechtlichen Vorschriften zulässig ist.“

Wie so oft wirft auch dieses Gesetz Fragen auf und lässt Lücken. So behaupten Hersteller, auf minimale Stromstärken zu achten und das Gesetz somit zu befolgen. Zu entscheiden, ab wann ein Erziehungshalsband dem oben genannten Gesetz widerspricht, ist theoretisch nicht möglich. Das bedeutet, dass jeder Halter seinen Hund in der Theorie mit einem besonders leichten Stromschlag maßregeln dürfte. Praktisch jedoch gibt es hierfür zwar kein ausgesprochenes Verbot, allerdings auch keine klare Erlaubnis des Gesetzgebers. Halter tun demnach gut daran, von vorneherein auf den Einsatz von Strom bei der Erziehung ihres Hundes zu verzichten, um dem Tier nicht zu schaden und zudem mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten.

Anschaffung erlaubt, Anwendung verboten

Die Anschaffung derartiger Erziehungshalsbänder ist nicht verboten. Auch das Mitführen der Artikel ist erlaubt. Was jedoch die Verwendung angeht, bewegen sich Halter auf rechtlich immens dünnem Eis und sollten auf andere Varianten des Erziehungshalsbandes zurückgreifen.

Schlussendlich kam die gängige Rechtsprechung in den vergangenen Jahren stets zu dem Urteil, dass Erziehungshalsbänder mit Strom entsprechend des oben genannten Gesetzes nicht erlaubt sind – auch nicht mit minimalen Stromreizen. Zwar ist dies noch nicht im Gesetz verankert, wird jedoch durch einige Gerichtsurteile unterstrichen. Im Folgenden einige Beispiele:

  • Urteil des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen Az.: 7 K 625/01 am 14. 5. 2003
  • OVG Münster Az.: OVG 20 A 3176/03 im Urteil vom 15.09.2004
  • Dies wurde am 15. März 2007 durch ein Urteil des VG Freiburg (Az.: 4 K 2339/05) bestätigt.
  • Auch der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg stellte erneut fest, dass Telereizgeräte mit Strom jeder Form in der Erziehung von Tieren, insbesondere Hunden, nicht erlaubt sind und erließ dazu am 26. 9. 2006 (Az.: 1 S 2075/06) ein entsprechendes Urteil.

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz geht dabei noch einen Schritt weiter: Als tierschutzwidriges Zubehör werden sämtliche Geräte deklariert, die auf elektrischer, chemischer, luftstoßerzeugender oder geräuscherzeugender Basis funktionieren. Dies stellt eine Kennzeichnung der jeweiligen Produkte und damit eine Empfehlung, nicht aber deren Verbot dar. Begründet wird diese Kennzeichnung durch den wesentlichen Eingriff in die natürliche Hundekommunikation, die besonders durch die automatische Funktionsweise der Strom-Antibell-Halsbänder noch verstärkt wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.